Aktueller Call for Papers
Themenheft: Disruption, Bedrohung, Resilienz – Politische Theorie im Angesicht aktueller Herausforderungen
Call for Papers (Einreichungsfrist für Abstracts: 30. April 2026)
hrsg. von: PD Dr. Dagmar Schulze Heuling, Christoph Deppe, M.A., Prof. Dr. Gary S. Schaal (alle: Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg)
Die gegenwärtige Situation liberaler Demokratien ist durch eine Kumulation tiefgreifender Herausforderungen gekennzeichnet. Technologische Transformationsprozesse, insbesondere im Kontext von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz, verändern demokratische Öffentlichkeiten, Entscheidungsprozesse und institutionelle Arrangements grundlegend. Zugleich sehen sich Demokratien einer wachsenden Zahl sicherheitspolitischer Bedrohungen ausgesetzt, die von hybriden Einflussstrategien über geopolitische Machtverschiebungen bis hin zu innergesellschaftlichen Polarisierungsdynamiken reichen. Diese Entwicklungen gehen einher mit einem Relevanzverlust des Multilateralismus und einem Erstarken autoritärer und anti-pluralistischer Akteure, die demokratische Anpassungs- und Lernprozesse zunehmend blockieren.
In der politikwissenschaftlichen und politiktheoretischen Forschung werden technologische Disruptionen, sicherheitspolitische Bedrohungen und Prozesse demokratischer Erosion jedoch häufig getrennt voneinander analysiert. Das geplante Schwerpunktheft setzt demgegenüber bei der These an, dass diese Phänomene analytisch und normativ nur in ihrem Zusammenhang angemessen erfasst werden können. Im Zentrum steht die Frage nach der Resilienz demokratischer Ordnungen. Resilienz wird dabei nicht als bloße Stabilität oder Krisenfestigkeit verstanden, sondern als adaptive Fähigkeit zur Bewahrung grundlegender demokratischer Werte unter Bedingungen tiefgreifenden Wandels.
Aus politisch-theoretischer Perspektive wirft diese Konstellation eine Reihe grundlegender Fragen auf: Inwiefern sind etablierte demokratietheoretische Konzepte geeignet, gegenwärtige Transformations- und Bedrohungslagen zu erfassen? Welche normativen Spannungen ergeben sich aus der Gleichzeitigkeit von Sicherheitsanforderungen, technologischer Dynamik und demokratischer Selbstbestimmung? Bedarf die liberale Demokratie angesichts disruptiver Prozesse einer konzeptionellen Neubestimmung ihrer institutionellen, epistemischen und normativen Grundlagen? Und wie lassen sich innere Vulnerabilitäten demokratischer Ordnungen theoretisch fassen, ohne sie auf externe Bedrohungen zu reduzieren?
Das Schwerpunktheft lädt zu Beiträgen ein, die diese und verwandte Fragen aus der Perspektive der Politischen Theorie und Politischen Philosophie bearbeiten. Willkommen sind sowohl normativ-theoretische als auch konzeptionelle, kritisch-diagnostische oder interdisziplinär anschlussfähige Arbeiten. Besonders erwünscht sind Beiträge, die Brücken zwischen Demokratietheorie, Sicherheitsstudien, Technik- und Wissenschaftsphilosophie sowie angrenzenden Forschungsfeldern schlagen.
Um das innovative Potenzial des Schwerpunkts zu wahren, wird bewusst auf eine abschließende Festlegung thematischer Unterbereiche verzichtet. Die Beiträge können unter anderem die folgenden Aspekte adressieren, ohne darauf beschränkt zu sein:
• Theorien demokratischer Resilienz,
• demokratische Resilienz im Kontext von technologischen Transformationen und sicherheitspolitischen Bedrohungen,
• hybride Bedrohungen und Vulnerabilitäten demokratischer Systeme,
• institutionelle Anpassungsfähigkeit kontemporärer Demokratien,
• das Verhältnis von Sicherheit, Freiheit und demokratischer Selbstregierung
Die eingereichten Manuskripte werden im regulären Begutachtungsverfahren der Zeitschrift für Politische Theorie qualitätsgesichert. Neben den über diesen Call for Papers eingeworbenen Beiträgen ist vorgesehen, ausgewählte Arbeiten aus dem Panel “Demokratische Resilienz im Spannungsfeld von sicherheitspolitischen Herausforderungen und technologischen Disruptionen“ des Theoriekongresses zu berücksichtigen. Ergänzend kann das Schwerpunktheft durch eine Sammelrezension zur neueren Demokratietheorie aus Resilienzperspektive abgerundet werden. Manuskripte sind gemäß den formalen Richtlinien der ZPTh einzureichen.
Abstracts im Umfang von maximal 1.000 Wörtern zzgl. Gliederungsvorschlag für den Text werden erbeten bis zum 30. April 2026 per E-Mail an PD Dr. Dagmar Schulze Heuling. Eine Rückmeldung erfolgt bis zum 31. Mai 2026. Die fertigen Beiträge sind bis zum 30. November 2026 einzureichen.
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Stand: 02.03.2026